17.03.2019 – DRK sichert die ärztliche Versorgung im Katastrophenfall

Kircheim (red) – Die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 hat es deutlich gezeigt: Betreuen, Verpflegen und der Sanitätsdienst sind ohne Problem zu schaffen. Bei der medizinischen Versorgung allerdings haperte es gewaltig. Ron Wüst, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter im DRK Kreisverband Esslingen, bringt es auf den Punkt: „Im Gesundheitswesen klaffen da noch Lücken.“ Mit der rund 500 000 Euro teuren „Mobilen Medizinischen Versorgungseinheit“ (MMVe) steuert das DRK dagegen an. Zu dieser MMVe gehören ein Sattelauflieger, der das Herzstück der Einheilt bildet – sowie ein Infektions-Krankentransportwagen. Der Sattelauflieger ist 14,5 Meter lang, 2,55 Meter breit und vier Meter hoch. „Wir nutzen hier die maximal möglichen Masse für die Straße aus, mit dem Zugfahrzeug zusammen kommen wir auf 16,50 Meter Gesamtlänge.“ Damit kommt das DRK knapp um die Ausnahmegenehmigung für große Straßenfahrzeuge herum. Im Sattelauflieger gibt es vier verschiedene Räume: Ganz vorne befindet sich der Personalraum für die Ärzte und das medizinisch ausgebildete Personal. Sinn dieser Einheit ist nämlich im Katastrophenfall, wenn zum Beispiel eine Ortschaft überflutet ist und die örtliche Arztpraxis nicht mehr betrieben werden kann, vor Ort zu fahren, damit die Versorgung der Bevölkerung im Notfall sichergestellt ist. In Deutschland gibt es nebst der in Kirchheim noch drei weitere solcher Einheiten. Eine in Berlin, in Schleswig-Holstein und in Hessen. Im zweiten Raum im Sattelauflieger können Patienten versorgt werden, zum Beispiel mit Verbandswechsel oder kleineren Hilfsmaßnahmen. In der Mitte befindet sich die Patientenaufnahme und der Empfang. Ebenso ist ein kleiner Wartebereich untergebracht. Im hintersten Raum befinden sich die Sonografie und ein 12-Punkte-EKG. Dieser Raum entspricht der klassischen Hausarztpraxis. Alle Räume sind voll ausgestattet und es wird mit Mehrweginstrumenten gearbeitet, die innerhalb von 20 Minuten desinfiziert und neu verschweißt werden können.

Autarkes System

Wie Ron Wüst anlässlich der Einführung für die DRK-Mitarbeiter erklärte, ist diese Einheit autark. „Sie kann für drei Tage ohne externen Strom und frisches Wasser arbeiten, danach kann über Logistikwege für Nachschub gesorgt werden.“ Dafür müssten dann Diesel und Wasser zum Auflieger gefahren werden. An Board hat die Einheit eine eigene Trinkwasseranlage für 200 Liter, bei der das Wasser viermal gefiltert wird. „Damit erhalten wir steriles Wasser, das für die Wundversorgung benutzt werden kann.“ Vier Klimageräte und Infrarotheizungen sorgen bei Außentemperaturen von -20 bis 40 Grad für eine stabile Innentemperatur von 23 Grad. Ebenso hat der Auflieger Telefonanschluss, Internet und damit WLAN an Board. „Wir stellen damit die interne und externe Kommunikation sicher. Zusätzlich können wir eine Antenne ausfahren und über Funk Kontakt halten, wenn alle Systeme versagen.“ Da mit dieser Einheit keine Erstversorgung sichergestellt werden muss, gibt es keine Sondersignale wie Blaulicht und Martinshorn am Sattelauflieger. Bevor die mobile medizinische Einheit ausrückt wird das Fahrzeug vor dem Ausrollen gechlort, wie Ron Wüst weiß. Zum Herzstück gehört auch der Infektionskrankentransportwagen, der von der Firma Miesen aufgebaut wurde. Dieses Fahrzeug hat eine Fahrtiefe von 1,4 Meter und kann somit auch durch Hochwasser fahren, da die Luftansaugung für den Motor höher gelegt ist. Vorne gibt es eine Seilwinde, die im Notfall im Weg liegende Baumstämme beiseite ziehen kann. Im Patientenraum geht es eher spärlich zu und das hat seinen Grund, wie Ron Wüst erklärt: „Sobald ein Transport beendet ist, kann der Fahrer des KTW einen Knopf drücken und der Patientenraum wird automatisch komplett desinfiziert. Deshalb gibt es bei diesem Fahrzeug eine zweite Schiebetür auf der linken Seite, wo die restlichen Materialien transportiert werden.“ Der Innenraum kann variabel gestaltet werden und bietet Platz für entweder zwei liegende und einen sitzenden Patienten oder einem liegenden und vier sitzenden Mitfahrer. Die Ausstattung ist ähnlich wie bei einem Rettungswagen. Die analoge und digitale Funkeinrichtung sorgt für die stete Verbindung zwischen den Rettungsdiensten. Im Katastrophenfall kommt die Alarmierung durch das Generalsekretariat des DRK und der Landesverband Baden-Württemberg entscheidet danach über den Einsatz. Ermöglicht wurden diese Einheiten auch durch die Deutsche Fernsehlotterie, die zwei Millionen Euro dafür spendiert hat. Pro Einheit entstanden Kosten von 500 000 Euro. Die jährlichen Wartungskosten liegen im hohen vierstelligen Bereich, müssen aber noch ermittelt werden. Die Kosten hierfür trägt der Landesverband, wie Wüst betont. Kürzlich haben nun DRK-Mitarbeiter vom Kreisverband eine erste Einführung durch den Berliner Projektleiter Günter Esser bekommen. „Die frisch ausgebildeten Kollegen können dann weiter DRK-Mitarbeiter anweisen, wir wollen aber den Pool nicht zu groß gestalten.“ Noch ist der DRK-Landesverband Baden-Württemberg auf der Suche nach einem Truck-Sponsor, wie Ron Wüst erklärte: „Unser Truck ist aus dem Jahr 1989 und er leidet so langsam an Alterserscheinungen. Da wäre ein neues, eigenes Fahrzeug ideal, da wir in den DRK-Kreisen ja auch ausgebildete Lkw-Chauffeure haben.“

Info

Das DRK-Zentrallager in Kirchheim gibt es seit 1956. Den ersten Einsatz von dort aus gab es 1963 bei der Sturmflut in Hamburg. In Deutschland gibt es 9 weitere solche Lager und alle können bis zu 1 500 Menschen mit Betreuung und Unterkunft versorgen. Die letzte Umstrukturierung der Zentrallager fand im Jahr 2002 statt. Die Bundesvorhaltung hat sich nicht geändert, jedoch sind seit der Umorganisation die Vorhaltungen auf Landesebene nun unterschiedlich.

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